Evangelische Kirche Wetter

Posted by: Matthias Franz 1 month ago

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Die Wiese am Gedenkstein für die ersten Kolonisten in Todenhausen war gut gefüllt. Die Abendsonne verlieh dem Treffen eine besondere Schönheit. So ähnlich hatten sich vor Jahrhunderten Hugenotten und Waldenser unter freiem Himmel zu ihren Synoden versammelt. Etwa 50 Personen waren gekommen, um am 18. September das neue Buch „300 Jahre Colonie Todenhausen. Erinnerungen an meinen Heimatort anlässlich des Jubiläums“ kennenzulernen. Der Autor, Hans-Werner Müller, hatte eingeladen und einen geschliffenen Vortrag vorbereitet, mit dem er Geschichten seit der Gründung der Colonie 1720 bis heute lebendig werden ließ.

Nach dem Abendläuten spielte der Posaunenchor Wetter-Todenhausen. Danach begrüßte Hans-Werner Müller freundlich die Anwesenden. Er freute sich besonders darüber, dass viele örtliche Mandatsträger gekommen waren und dass Freunde und Bekannte aus dem überregionalen Netzwerk der Hugenotten und Waldenser ebenfalls vor Ort waren.

Er legte am Gedenkstein eine Schale nieder. Dabei spielte der Posaunenchor ein hugenottisches Stück von 1689 („Der Schwur am Sibaud“).

Der Autor führte in sein Buch ein und erklärte, welche Lücke in den Publikationen zu Todenhausen er schließen wollte. Es ging ihm besonders darum, die Geschichten der Menschen aufzuschreiben, die in den letzten Jahrhunderten im Ort gelebt hatten: Landwirte, Handwerker, Lehrer und Ortsdiener. Auch das kirchliche Leben wurde gewürdigt.

Seine Tochter, Christiane Müller-Funk, veranschaulichte sehr lebendig, wie stark die französische Sprache die Umgangssprache der Menschen in unserer Gegend beeinflusste. Gerade das Platt enthält viele französische Wörter (oft in einer hessischen Aussprache). Bis in die napoleonische Zeit wurde in der Kirche in Todenhausen französisch gepredigt, danach noch lange französisch gesungen, bis Ende des 19. Jahrhunderts nur noch einige Tischgebete o.Ä. französisch gesprochen wurden.

Im Anschluss trug Hans-Werner Müller die Geschichten von der Ansiedlung der Hugenotten und Waldenser vor. Anders als in früheren Untersuchungen ist heute klar, dass 77% der Refugees („Flüchtlinge“) französische Hugenotten waren und nur 23% Waldenser aus Piemont in Norditalien. Die Namen der ersten Familien wurden besonders gewürdigt.

Nach einem spannenden und anschaulichen Rundgang durch die Geschichten des Ortes erzählte der Autor von Reisen in die Gebiete, aus denen die Kolonisten gekommen waren. Noch heute findet man dort die Namen der Familien, die es auch in Todenhausen gibt.  Am Ende dankte er sehr herzlich allen, die zum Entstehen des Buches beigetragen haben, darunter dem Experten in Fragen der hugenottischen Geschichte Gerhard Badouin.

Das Buch ist im Hugenottenarchiv in Todenhausen oder über die Stadt Wetter zu beziehen – oder direkt beim Autor (Tel. 06423-7317). Es kostet €10,-. Der spannende Vortrag wurde aufgezeichnet und steht über den Kanal „Stiftskirche Wetter“ bei youtube.com der Öffentlichkeit zur Verfügung. Hier ist der Link: https://youtu.be/Rt1v270ITIs

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