Evangelische Kirche Wetter

Posted by: Matthias Franz 6 years, 1 month ago

Auf den letzten Platz besetzt war der große Saal des evangelischen Gemeindezentrums in Wetter am Mittwoch, dem 6. Mai. Dr. Christoph Galle (Marburg) referierte zu „Kanonissenstifte im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung des Stifts in Wetter“. Dieser wissenschaftliche Vortrag bildete den Auftakt zum Fest "1000 Jahre Kanonissenstift Wetter".

50 Personen waren der Einladung gefolgt. Es mussten noch eilig Stühle beschafft werden. Die Zuhörer erlebten, wie Dr. Galle zunächst von den älteren Stiftsgründungen in Deutschland referierte.

Schon in der Zeit der Franken (9. Jhd.) wurden klösterliche Lebensgemeinschaften gegründet. Seit der Synode von Aachen (816) wurde klar zwischen Klöstern und Stiften unterschieden. Für die Klöster galten sehr strenge Regeln, verbindliche Kleidung und Armut. Kanonissen in den Stiften durften Privatbesitz haben und trugen gelegentlich weltliche Kleidung. Besonders für adlige Töchter war das Leben als Kanonisse attraktiv, da man so relativ selbstbestimmt leben konnte und Zugang zu Bildung bekam.

Ältere Stifte gab es zum Beispiel in Bad Gandersheim oder Essen. Weitere Stifte waren im 11. Jhd. eine gute Möglichkeit, um in relativ dünn besiedelte Gegenden Bildung und Infrastruktur zu bringen.

In Hessen sind Stifte deutlich seltener als in Sachsen. Eines gab es allerdings in Wetter. Hier kann man über die ältere Entwicklung nur wenig sicher sagen, weil Quellen fehlen. Aber die Gründungslegende von den schottischen Königstöchtern Almudis und Digmudis, die im Jahr 1015 das Stift in Wetter gründeten, könnte in wesentlichen Punkten zutreffen.

Das Stift war zwar klein: Von etwa zehn Stiftsdamen sprechen die Quellen. Aber die Äbtissin hatte großen Einfluss und verwaltete zeitweise auch die Stadt. So wurde Wetter zu einem regional wichtigen Handelsplatz, um den auch in kriegerischen Auseinandersetzungen gestritten wurde. Durch die Reformation kam das Stiftswesen in Wetter zum Erliegen, nur die Schule des Stifts hatte noch eine lange Blüte.

Der Abend wurde souverän von Vikar Matthias Westerweg moderiert. Im Anschluss an den Vortrag ergab sich eine rege Diskussion. Danach hatten die Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit, bei einem Glas Wein mit dem Referenten ins Gespräch zu kommen.

An den nun folgenden Veranstaltungen des Fests wird dieser historische Stoff wieder aufgegriffen. Das Festspiel erzählt dramatisch vom mittelalterlichen Leben. Die Abendandachten verleihen dem Stundengebet der Kanonissen wieder Leben. Die Gottesdienste an Himmelfahrt und am Sonntag fragen nach dem Glauben, der die klösterliche Gemeinschaft und die Erbauer der Stiftskirche begeisterte. Näheres unter www.stiftsfest.de

 

 

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